Offener Brief an den Alpiq-Chef

AKWGoesgen_CH_2010_demoKann man dem Chef der grössten Schweizer Atomkraftwerke noch glauben? Kürzlich hat Giovanni Leonardi mit falschen Zahlen in die Debatte um den Atomausstieg eingegriffen. Das ist schwerwiegend. Denn Leonardi ist der Chef des grössten Schweizer Stromkonzerns Alpiq. Er ist letztlich verantwortlich für die Sicherheit der Bevölkerung vor den schwerwiegenden Gefahren der grössten Atomkraftwerke der Schweiz. Alpiq ist massgeblich an den AKW Gösgen und Leibstadt beteiligt. Deshalb haben die SP Energiepolitiker des Nationalrates Eric Nussbaumer (BL), Roger Nordmann (VD) und ich folgende Zeilen als offenen Brief verschickt:

Bern, 7. April 2011

Sehr geehrter Herr Leonardi

Ihre Äusserungen zu möglichen Strompreiserhöhungen auf Grund eines Atomausstiegs vom 27. März 2010 sind jenseits von Gut und Böse. Kurz: Ihre Äusserungen sind falsch. Nach Medienberichten rechnen sie mit einer Vervierfachung der Stromrechnung bei Haushalten und nennen zukünftige Strom-Jahreskosten für einen Haushalt von 6‘000 Franken.

Ein Haushalt zahlt heute 1000 Franken pro Jahr. Die Rechnung ist einfach: Die durchschnittlichen Stromkosten für eine 5-Zimmer-Haushalt betragen mit einem Verbrauch von 4‘500 Kilowattstunden heute jährlich 1‘000 Franken. (Basis: Strompreiserhebung der ElCom 2010: 22.2 Rp./kWh). Wir anerkennen, dass ein Atomausstieg höhere Strompreise nach sich ziehen wird, weil eben die Atomenergie nicht alle Kosten (insbesondere die Schadenkosten, wie wir sie jetzt in Japan sehen) selber trägt. Wenn diese Subventionierung der Atomenergie wegfällt, müssen die Strompreis ohne Zweifel steigen. Dies gilt insbesondere bei neuen Atomkraftwerken!

Nach unseren Hochrechnungen liegen Sie mit Ihrer Aussage sage und schreibe 6 bis 10 mal zu hoch!

Unser Vertrauen in die Führung des Alpiq-Konzerns ist massiv getrübt. Wir sehen in diesen Tagen in Japan, wie fatal es ist, wenn man den Betreibern von Atomkraftwerken nicht glauben kann. Wir erwarten daher:
1. dass Sie ihre Äusserungen öffentlich korrigieren und sich dafür entschuldigen

2. dass Sie offenlegen wie viel die notwendigen Nachrüstungen der AKWs kosten werden

3. dass Sie der Öffentlichkeit vorrechnen, wie hoch der Strompreis wäre, wenn die Schweizer AKW-Betreiber die Versicherungskosten für einen GAU übernehmen
müssten

Freundliche Grüsse

Roger Nordmann, Nationalrat VD
Eric Nussbaumer Nationalrat BL
Beat Jans, Nationalrat BS