Den Klimaheizern den Geldhahn zudrehen

Wir haben unser Problembewusstsein in Sachen Klimawandel zurückgefunden. Zum Glück, denn das Problem drängt. Leider brauchte es einen trockenen Sommer in Europa und rund um den Globus wütende Waldbrände. Das Thema ist nun wieder in aller Munde. Ein extrem wichtiger Aspekt fehlt aber in der öffentlichen Debatte bisher fast völlig, nämlich der Finanzmarkt als treibender Faktor der Klimaerhitzung. Zeit, das zu ändern. Die gute Nachricht dabei: Die Schweiz hat als einer der weltweit führenden Finanzplätze hier einen langen Hebel. Mein Papier Für einen klimafreundlichen Schweizer Finanzmarkt soll einen Überblick über Probleme und Chancen bieten.

Wer Zahlen zu Wetter- und klimabedingten Naturkatastrophen sucht, wird oft bei Rückversicherungen fündig. Die Versicherung gegen solche grossen Schadensereignisse ist ihr Kerngeschäft, dementsprechend sind diese Firmen an präzisem und umfangreichem Datenmaterial interessiert. Beispielsweise machen Zahlen der Munich Re die Zunahme der extremen Wettereignisse über die letzten 40 Jahre sichtbar. Der Zusammenhang von Naturkatastrophen und finanziellen Risiken zeigt sich dort eindrucksvoll. Nach den Versicherungen beginnen auch die Entscheidungsträger bei den Banken, Fonds und Investmentgesellschaften zu verstehen, dass es günstiger ist, die Klimaerhitzung jetzt zu bekämpfen statt deren zerstörerische Folgen abzuwarten. Je länger abgewartet wird, desto abrupter müssen die Kohlenstoffemissionen gestoppt werden. Das würde zu einem dramatischen Wertverfall von Kohle, Öl und Gasvorkommen führen – und jenen Firmen, die sie besitzen. Man spricht vom Platzen der Kohlenstoffblase.

Die Kohle- Öl- und Gaskonzerne gehören bekanntermassen aber zu den mächtigsten Firmen der Welt und werden versuchen, so lange wie möglich Profit aus ihren Reserven zu schlagen. Auch wenn der technologische Fortschritt den Umbau hin zu erneuerbarer Energie beschleunigt, bleiben die fossilen Brennstoffe zu billig, denn deren Kosten sind nicht internalisiert – den Preis für die Zunahme der Naturkatastrophen bezahlen andere. Auch der Emissionshandel ist bis dato ein Flop, da die Emissionsrechte zu zahlreich und günstig sind. Um die Klimaerhitzung zu stoppen, müssen zweierlei Massnahmen her:

  1. Klare, von der Politik definierte Regeln und Standards
  2. Desinvestitionen in fossile Energien

Die Basis für Punkt 1 bietet das Pariser Klimaabkommen von 2015, das von fast allen Regierungen der Welt verabschiedet wurde. Dessen Zielvorgabe ist klar: Die Nettoemissionen von Treibhausgasen müssen weltweit zwischen 2045 und 2060 auf null(!) sinken.
In Bern wird derzeit das neue CO2-Gesetz verfasst. Wir diskutieren über die Möglichkeiten der Reduktion des CO2-Ausstosses von Verkehr, Gebäuden, Industrie und Landwirtschaft. Natürlich ist es wichtig und richtig, dass wir in der Schweiz alle Möglichkeiten nutzen, unsere eigenen Emissionen zu senken. Als kleines Land mit bedeutendem Finanzplatz haben wir aber weit effektivere und wichtigere Möglichkeiten, die Klimaerhitzung zu stoppen. Beispielsweise – und genau hier kommt Punkt 2 ins Spiel: es geht darum, den Fossilen den Geldhahn zuzudrehen. Im Klartext: Grosse Investoren wie (Zentral-) banken, Pensionskassen, Fondsgesellschaften müssen ihre Anteile an der Fossilindustrie abstossen – nicht zuletzt auch aus Eigeninteresse. Hier könnte die reiche Schweiz eine enorme Wirkung erzielen: Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) schätzt, dass alleine die Pensionskassen Aktien halten, die mit Kohlenstoffemissionen in der Höhe von 70 Prozent des gesamten jährlichen Ausstosses der Schweiz verbunden sind.